Qualitätssicherungspflichten für Lieferanten

1. Geltungsbereich

Diese Richtlinie ergänzt die Einkaufsbedingungen der PENTACON GmbH bezüglich zugelieferter Teile und Materialien, welche in den Fertigungsprozess von Automotive – Teilen bei der PENTACON GmbH eingehen.

Der Lieferant richtet seine Prozesse gemäß folgenden Leitlinien in ihrer jeweils gültigen Fassung aus:

  • ISO 9001ff, ISO TS 16949ff
  • VDA Schrift 1 Nachweisführung, VDA Schrift 2 Sicherung der Qualität von Lieferungen
  • VDA Schrift 4 Teil 1 Sicherung der Qualität vor Serieneinsatz, VDA Schrift 5 Prüfprozesseignung
  • VDA Schrift 6 Teil 1 QM-Systemaudit

Zusätzlich gelten Vorschriften und Spezifikationen auf Zeichnungen, Maß- und Werkstoffnormen sowie Bestellungen. Diese Vorschrift ist weiter unten ins Englische übersetzt. Im Zweifelsfall ist die deutsche Version entscheidend.

2. Überprüfung des QM-Systems beim Lieferant

Der Lieferant ermöglicht uns die Durchführung von Auditmaßnahmen. Wir behalten uns vor, Auditmaß-nahmen auch im Falle von bereits vorliegenden Nachweisen Dritter durchzuführen. Der Lieferant stellt alle dazu erforderlichen Unterlagen bereit und erlaubt den Zugang zu den für uns relevanten Bereichen. Wenn erforderlich, werden mit dem Lieferanten Verbesserungsmaßnahmen mit Verantwortlichkeiten und Zielterminen vereinbart. Die Wirksamkeit der Korrekturen wird ggf. durch ein Folgeaudit überwacht.

3. Lieferantenbewertung I Zielvereinbarung

Der Lieferant ist zur fehlerfreien Lieferung von Produkten und Leistungen (Null-Fehler-Zielsetzung) verpflichtet. Werden keine spezifischen Zielvereinbarungen getroffen, gilt als Zielwert Null ppm. Eine getroffene spezifische Vereinbarung zu ppm-Werten bedeutet dabei kein von uns akzeptiertes Qualitätsniveau. Die Vereinbarung von Qualitätszielen und -maßnahmen schränkt die Haftung des Lieferanten für Gewährleistungs- und Schadensersatzansprüche wegen Mängeln der Lieferungen nicht ein. Fehlerhafte Lieferungen werden nicht akzeptiert und gehen zu Lasten des Lieferanten. Die laufende Lieferleistung ist Bestandteil der Lieferantenbeurteilung. Bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugen wir Lieferanten entsprechend ihrer Zuverlässigkeit.

4. Leistungsvergabe an Dritte

Werden Leistungen an Dritte vergeben, so ist der Lieferant verpflichtet, die hier getroffenen Festlegungen zur Qualitätssicherung an den Unterlieferanten zu delegieren und sich von der Einhaltung der Festlegungen zu überzeugen. Wir können Prüfaufzeichnungen von Unterlieferanten einsehen und Auditierungen vornehmen.

5. Umwelt und Sicherheit

Der Lieferant gewährleistet die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zum Arbeits- und Umweltschutz für Herstellung und Transport der zu liefernden Produkte. Dies betrifft benötigte Materialien, Anlagen, Geräte und Arbeitsplätze.

6. IMDS

Auf Wunsch dokumentiert der Lieferant für uns sämtliche Daten im IMDS System.

7. FMEA

Der Lieferant hat für die von ihm angewendeten Prozesse wirksame Prozess-FMEA nachzuweisen.

8. Statistische Methoden

Sofern nicht ausdrücklich 100%-Prüfungen vorgeschrieben sind, müssen statistische Methoden zur Qualitätssicherung angewandt werden. Fertigungsprozesse sind bezüglich wichtiger Merkmale mit einer statistischen Methode zur Prozessregelung zu verfolgen. Werden hierfür keine Merkmale oder Parameter unsererseits bekannt gegeben, konzentriert sich der Lieferant auf eng tolerierte Spezifikationen, was ihn nicht von der Erfüllung sämtlicher Spezifikationen entbindet. Wird der Mindestwert von cpk > 1.33 nicht erreicht, hat der Lieferant durch Prozessoptimierung und geeignete Prüfmaßnahmen sicherzustellen, dass keine fehlerhaften Materialien und Produkte zur Auslieferung gelangen. Methoden zur statistischen Prozessregelung sind u.a. in Normen und Broschüren von DGQ und VDA beschrieben. In den Bereichen Wareneingangs- und ggf. Endprüfung sind angemessene und geeignete Stichprobenpläne in Anlehnung an beispielsweise DIN ISO 2859 bzw. DIN ISO 3951 anzuwenden. Auf unsere Anforderung sind Prüfpläne bzw. eingesetzte statistische Verfahren bekannt zu geben und ggf. abzustimmen.

9. Prüfungen

Die Qualitätssicherungsmaßnahmen sind in Vorschriften festzuhalten. Durchgeführte Prüfungen sind mittels geeigneter Aufzeichnungen zu belegen. Alle qualitätsrelevanten Unterlagen sind grundsätzlich mindestens zehn Jahre aufzubewahren. Bei dokumentationspflichtig gekennzeichneten Produkten beträgt die Aufbewahrungsfrist 15 Jahre nach Auslauf des Endartikels. Weitere Anforderungen können unsererseits spezifiziert werden. Pentacon behält sich vor, Gegenprüfungen durchzuführen und ggf. den Prüfablauf beim Lieferanten vor Ort zu beurteilen.

10. QS-Nachweise

Den Nachweis spezifikationskonformer Lieferung führt der Lieferant für jede Lieferung. Solche Nachweise stehen uns jederzeit zur Einsicht zur Verfügung. Auf Anforderung können wir schriftlichen Nachweis der erfüllten Produktqualität mit jeder Lieferung verlangen. Der Lieferant stellt uns auf Anforderung Prüfplanungsunterlagen zur Verfügung.

11. Bemusterung

Vor Aufnahme der Serienlieferung sind Erstmuster unter Serienbedingungen auf in der Autoindustrie üblichen Formularen zu qualifizieren. Abweichungen von den Serienbedingungen bedürfen der gemeinsamen Absprache. Jede Art von Änderungen an Komponenten, Herstellungsprozess und -ort, sind durch Neubemusterungen im Voraus anzuzeigen. Für Muster gilt cmk oder ppk ≥ 1,67. Wird dieser Kennwert nicht erreicht, sind Maßnahmen mit uns abzustimmen. Der Lieferant schlägt dazu Prüfmodalitäten und Verbesserungspotentiale vor. Der Lieferant nimmt außerdem eine jährliche Wiederholqualifizierung in Form einer Erstbemusterung vor.

12. Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit, Verpackung

Material- und Produktkennzeichnungen sind so vorzunehmen, dass Artikelbezeichnung, Artikelnummer, Menge sowie Lieferdatum am Gebinde unverlierbar angebracht sind. Der Lieferant sorgt für ein Rückverfolgungssystem, das im Fehlerfalle eine Eingrenzung der Chargen ermöglicht. Die Art der Verpackung ist so zu wählen, dass eine Beeinträchtigung der Qualität auf dem Transportweg ausgeschlossen ist.

13. Wareneingangsprüfungen bei Pentacon

Die Verantwortung zur Bereitstellung fehlerloser Produkte obliegt dem Lieferanten. Wareneingangsprüfungen werden daher lediglich als Ident- und Mengenprüfung und auf äußerlich erkennbare Transport- und Verpackungsschäden ausgelegt. Weitere Untersuchungspflichten hat Pentacon nicht. Kosten für Aufwendungen zusätzlicher Prüfungen im Wareneingang oder im weiteren Verarbeitungsprozess, die aus nicht – spezifikationsgerechter Lieferung resultieren, trägt der Lieferant. Sie sind dem Lieferanten im Vorhinein bekanntzugeben und durch diesen freizugeben. Transportschäden gehen nur zu Lasten des Lieferanten, wenn diese gemäß dem vereinbarten INCOTERM in den Verantwortungsbereich des Lieferanten fallen. Zweckmässigerweise dokumentiert der Lieferant die Konformität der gelieferten Ware mittels einer Prüfbescheinigung, die im konkreten Fall zu vereinbaren ist.

14. Qualitätsabweichungen

Werden Abweichungen vom Lieferanten festgestellt oder an bereits gelieferten Produkten vermutet, so sind wir unverzüglich zu informieren. Die weitere Vorgehensweise wird zwischen dem Lieferanten und uns abgestimmt.

15. Reklamationen

Wird gelieferte Ware reklamiert, erhalten wir innerhalb von zwei Arbeitstagen einen ersten schriftlichen Zwischenbescheid in Form eines 8-D-Reportes, der kurzfristig eingeleitete Maßnahmen aufzeigt und weitere Zieltermine benennt. Spätestens zwei Wochen nach Eingang der Reklamation ist eine Stellungnahme zu Fehlerursachen und getroffenen Abstellmaßnahmen an uns abzugeben. In dringenden Fällen ist der Lieferant zu unverzüglichem Handeln verpflichtet. Der Lieferant beurteilt die Wirksamkeit eingeführter Korrekturen, um Wiederholreklamationen auszuschließen.

16. Kenntnisnahme des Lieferanten

Hiermit bestätigt der Lieferant den Erhalt und die Kenntnisnahme der „Qualitätssicherungspflichten für Lieferanten“ der PENTACON GmbH.